Glanzlichter der Liedkunst:
Jonas Kaufmann und Helmut Deutsch luden zum Festkonzert im Stefaniensaal in Graz
Graz, 14.01.2026: Diesen Mittwoch verwandelte sich der Stefaniensaal des
Musikvereins Graz in einen Raum konzentrierter künstlerischer Intensität. Jonas
Kaufmann, einer der markantesten Tenöre unserer Zeit, und sein langjähriger
Klavierpartner Helmut Deutsch, dessen 80. Geburtstag an diesem Abend gefeiert
wurde, boten ein Liederprogramm von außergewöhnlicher Präzision, Ausdruckskraft
und künstlerischer Tiefe.
Kaufmanns Stimme besticht durch baritonale Wärme und dunkle Farbnuancen, die
selbst in den leisesten Passagen des Schumann-Zyklus „Dichterliebe“ zu Beginn eine
unmittelbare Präsenz erzeugten. Wo man anfangs noch ein wenig Anspannung, gar
einzelne Schweißperlen auf der Stirn des Sängers bemerken wollte, konnte man rasch
vernehmen, wie der Weltstar Phrasierung und Kontrolle über hohe Passagen versiertest
managte: Pianissimo-Linien verlierten nie an Klarheit, während kraftvolle Momente
zugleich Gewicht und Spannkraft bewahrten. Besonders auffällig war die natürliche
Verschmelzung der Register – von mittleren Tönen bis zu hohen Lagen – die der
Darbietung eine organische Kontinuität verleihte. Jonas Kaufmann war schnell in seiner
Hochleistung, für die er bekannt ist und die sehr berührt.
Helmut Deutsch, ein Jubilar an diesem Abend und langjähriger Partner von Jonas
Kaufmann, trat dabei nicht als bloßer Begleiter auf, sondern als gleichwertiger,
kongenialer, musikalischer Partner. Das war zu erwarten, dennoch, man erstaunte aufs
Neue, weil es so mühelos ankommt. Sein Spiel ist immer präzise, klanglich reich
differenziert und stets eng auf die vokale Linie abgestimmt. Die sorgfältige Balance
zwischen Führen und Folgen erlaubt es Kaufmann, sich ganz auf die erzählerische und
expressive Dimension der Lieder zu konzentrieren. Das Zusammenspiel wirkte wie ein
dialogischer Fluss, in dem jedes Motiv, jede Pause und jede dynamische Nuance
sorgfältig austariert wurde. Selbst meint Deutsch im Interview vor dem Konzert (ORF
Steiermark), beide hätten bereits eigene feine Signale entwickelt, um sich auf der Bühne
zu verständigen und in Momenten unmerklich nach außen abzustimmen.
Es fiel auf, dass das leise Klingeln eines Smartphones nach Verklingen einer der leisesten
Passagen im Konzert, die Konzentration der Musiker nicht irritieren konnte, auch das
Publikum blieb ganz bei der Bühne. Es gab weder strafende Blicke noch Murren. Nichts
konnte den Moment stören, der hohen Kunst der konzentrierten Darbietung verantwortet.
Nach der Pause setzte Kaufmann die zweite Hälfte des Abends mit Liszts „Tre Sonetti di
Petrarca“ fort. Hier zeigte sich seine bekannte, flexible Stimmführung, die
außergewöhnliche Spannkraft und die dramatische Intensität, opernhaft komponiert und
umgesetzt, die ihn weltweit auszeichnen. Die italienischen Sonette, ebenso wie weitere
Liszt-Lieder, wurden mit stimmlicher Eleganz, sorgfältiger Wortartikulation und
überzeugender Tiefe vorgetragen, die das Publikum wiederum in gebanntes Schweigen
versetzte. Umso erstaunlicher, da man von einer Erkältung um Jahresbeginn munkelte,
wo Kaufmann mutmaßlicher Unpässlichkeit trotzte und als Eisenstein in der Fledermaus
debütierte, sogar mit großer Lust am Spiel und Freude glänzte. Erstaunlich, welch dichtes
Programm beide Künstler auch noch Wochen nach diesem Abend absolvieren werden
(Hinweise dazu unten). Eine neuerliche Lied-Tournee startet im Frühjahr.
Zurück nach Graz: Die Zugaben – Schumanns „Mondnacht“ und „Stille Tränen“ sowie
Liszts „Es muss ein Wunderbares sein“ – rundeten den Abend ab und unterstrichen die
künstlerische Souveränität beider Interpreten. „Es muss ein Wunderbares sein ums
Lieben zweier Seelen, sich schließen ganz einander ein, sich nie ein Wort verhehlen “
konnte gerne als innige Verbundenheit mit dem Grazer Publikum, auch beide zueinander,
verstanden werden. Besonders die stillen Momente berührten, Kaufmann bestach mit
mühelosen leisen Passagen, getragen, verdichtet und leicht.
Eine Beobachtung am Rande an diesem Abend: Man konnte die Begeisterung des
Publikums fast greifen: Einige der Damen und Herren hatten Kaufmann und seinen
Klavierpartner Helmut Deutsch offenbar schon seit Jahrzehnten auf dem Radar, andere
verfolgten ihn wie eine liebgewonnene Tradition. Zwischen bewundernden Blicken und
leisen Seufzern, war die Mischung aus Faszination und Sympathie spürbar – „Wir
himmeln ihn und seine Stimme an“, „beide sehen fantastisch aus“ und „man werde jedes
Konzert besuchen“, hörte man im Foyer begeistert murmeln. Zugabe um Zugabe zogen
beide Künstler das Publikum erneut in ihren Bann. Konzertkritiken aus Wien (am
12.01.2026 mit gleichem Konzert im Goldenen Saal des Musikvereins) ist zu entnehmen,
dass das Wiener Publikum verhaltener reagierte, still drei Zugaben, wenn auch ebenso
erfreut, einforderte.
Der intime Rahmen im kleineren Stefaniensaal kam den Künstlern sicher entgegen. Also
ganz anders hier: Das Aufspringen nach Verklingen des letzten Tons von den Reihen war
diesmal nicht, bis auf einzelne Ausnahmen, wie sonst oft gängiger Usus, um die Tram zu
erreichen, sondern um die Musiker mit anhaltendem Applaus ausgiebig zu feiern. Man
merkte: Hier waren nicht nur Ausnahmekünstler zu erleben, sondern Menschen, die die
Zuhörer verzauberten und ihnen ein großes Stück Freude ins Herz legten.
Dieser Abend war ein eindrucksvolles Zeugnis für die langjährige künstlerische
Partnerschaft von Kaufmann und Deutsch, deren gemeinsame Musizierpraxis auf tiefem
Verständnis und höchster stimmlicher und pianistisch-technischer Meisterschaft
beruht. Für das Grazer Publikum bot sich ein Abend von bleibender Strahlkraft. Geprägt
von Klangtiefe, expressiver Feinheit und der unaufdringlichen, doch umso
beeindruckenderen Kraft zweier miteinander schon lange verbundener Künstler, die die
Welt des Liedes auf höchstem Niveau repräsentieren.
Wir gratulieren Helmut Deutsch nochmals herzlichst zu seinem Geburtstag!
Autorin: Brigitte Ulbrich
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Nächste Konzerttermine:
Jonas Kaufmann: https://jonaskaufmann.com/kalender/
Helmut Deutsch: https://helmutdeutsch.at/termine/#heute
21.01.2026 im Stefaniensaal in Graz mit Tenor Piotr Beczala