Kate Lindsey - © Yulia Oliver-Taylor

Helmut Deutsch - © Shirley Suarez

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Kate Lindsey und Helmut Deutsch im Wiener Konzerthaus: Liedkunst auf höchstem Niveau



Wien, 08.06.2026 – Mit ihrem ersten Liederabend im Wiener Konzerthaus gestaltete die amerikanische Mezzosopranistin Kate Lindsey gemeinsam mit Helmut Deutsch einen Abend von außergewöhnlicher Intensität. Das Programm mit Werken von Schumann, Korngold, Zemlinsky, Hugo Wolf und Joseph Marx war zugleich dem 80. Geburtstag des weltweit angesehenen Liedbegleiters gewidmet.

Bereits Schumanns „Sehnsucht“, „Meine Rose“ und „Liebeslied“ machten deutlich, worauf dieser Abend setzte: auf die Kraft der Texte und eine Gestaltung, die auf jedes opernhafte Pathos verzichtete. Lindsey beeindruckte insgesamt durch ihr außergewöhnlich präzises Deutsch und ihre Fähigkeit, innerhalb einer Phrase die Klangfarbe zwischen unterschiedlichen Ausdrucksebenen ohne hörbare Brüche zu verändern. Die Stimme blieb dabei stets warm und unmittelbar.

Korngolds Lieder eröffneten anschließend eine andere Welt. Im „Sterbelied“ berührte die Zeile „Vielleicht gedenke ich deiner, vielleicht vergaß ich dich“ durch eine bewusst zurückgenommene, fast entmaterialisierte Klanggebung, was mit kurz verhaltenem Zwischenapplaus gewürdigt wurde. Auch in „Mond, so gehst du wieder auf“ entstand jene Mischung aus Verletzlichkeit und innerer Spannung, die Korngolds Liedern ihre besondere Ausdruckskraft verleiht.

Zu den Höhepunkten des Abends gehörten die Lieder Alexander Zemlinskys. Dessen symbolistische Klangwelt scheint Lindsey besonders zu entsprechen. In „Geflüster der Nacht“ wurden die Worte tatsächlich zu einem 'stimmlichen' Flüstern der Natur, in „Nach dem Gewitter“ entstanden atmosphärische Bilder von großer Anschaulichkeit, ohne jemals ins Illustrative abzugleiten. Gerade die Fähigkeit, die Stimme gezielt zu verschlanken oder Klang zurückzunehmen, erwies sich hier als starkes Ausdrucksmittel. 

In Schumanns „Gedichten der Königin Maria Stuart“ zeigte Lindsey eine weitere Facette ihrer Kunst. Die sakrale Dimension dieser Lieder trat deutlich hervor, denn besonders in den Gebetsmomenten entwickelte ihre Stimme mit gekonntem Atemeinsatz eine beinahe orgelartige Klangqualität, die dem spirituellen Charakter der Musik entsprach.

Nach der Pause bildeten Hugo Wolfs Mignon-Lieder einen Schwerpunkt des Programms. Lindsey verzichtete konsequent auf jede Überzeichnung und traf im Schluss von „Mignon III“ mitten ins Herz. Die flehende Phrase „auf ewig wieder jung“ endete in einem bewussten Abbruch des letzten Wortes  - 'ausgehaucht', einer der bewegendsten Momente des Abends.

Mit Liedern von Joseph Marx fand das Programm einen würdigen Abschluss. Werke wie „Waldseligkeit“, „Hat dich die Liebe berührt“ und „Und gestern hat er mir Rosen gebracht“ gehören zu den schönsten Schöpfungen der österreichischen Spätromantik. Lindsey machte deren emotionale und poetische Vielfalt mit großer Gestaltungskraft erfahrbar.


Drei Zugaben beschlossen den Abend. Nach Schumanns „Du bist wie eine Blume“, augenzwinkernd an Helmut Deutsch gerichtet, zeigte Lindsey in Gershwins „Summertime“ mit feinen Anklängen an die Phrasierung des Jazz erneut die Wandlungsfähigkeit ihrer Stimme. Mühelos spannte sie den Bogen von warmen Tiefen bis zu frei aufblühenden Höhen. 

Richard Strauss’ „Morgen“ verlieh dem Abschluss eine besondere hoffnungsvolle Note. Für einen kurzen Moment wurde danach auch die starke innere Rührung Helmut Deutschs sichtbar. Der weltweit verehrte Liedbegleiter erwies sich in diesem Konzert, anlässlich seines 80. Geburtstags, einmal mehr als genialer Partner auf Augenhöhe.

Standing Ovations! 

Autorin: Mag. Brigitte Ulbrich | Musikdialoge Magazin & Podcast

Kate Lindsey and Helmut Deutsch at the Vienna Konzerthaus: Song Interpretation at Its Finest


Vienna, 8 June 2026 – In her first song recital at the Vienna Konzerthaus, the American mezzo-soprano Kate Lindsey, together with Helmut Deutsch, created an evening of extraordinary intensity. The programme, featuring works by Schumann, Korngold, Zemlinsky, Hugo Wolf and Joseph Marx, was at the same time dedicated to the 80th birthday of the world-renowned collaborative pianist.

Schumann’s Sehnsucht, Meine Rose and Liebeslied already made clear what this evening was built upon: the power of the texts and an interpretation that avoided every trace of operatic pathos. Lindsey impressed throughout with her exceptionally precise German and her ability to change vocal colour within a phrase between different expressive levels without any audible breaks. The voice remained warm and immediate throughout.

Korngold’s songs then opened another world. In Sterbelied, the line “Vielleicht gedenke ich deiner, vielleicht vergaß ich dich” touched through a consciously restrained, almost dematerialised vocal sound and was acknowledged with brief restrained applause. In Mond, so gehst du wieder auf, that mixture of vulnerability and inner tension emerged which gives Korngold’s songs their particular expressive power.

Among the highlights of the evening were the songs of Alexander Zemlinsky. His symbolist sound world seems particularly suited to Lindsey. In Geflüster der Nacht, the words truly became a whisper of nature, while in Nach dem Gewitter atmospheric images of great vividness emerged without ever slipping into the illustrative. Here, the ability to slim down the voice deliberately or to withdraw the sound proved a powerful expressive device.

In Schumann’s Gedichte der Königin Maria Stuart, Lindsey revealed another facet of her artistry. The sacred dimension of these songs emerged clearly. Particularly in the moments of prayer, her voice developed an almost organ-like quality which, through masterful use of breath, underscored the spiritual character of the music.

After the interval, Hugo Wolf’s Mignon songs formed a focal point of the programme. Lindsey consistently avoided any exaggeration and struck directly at the heart in the conclusion of Mignon III. The pleading phrase “auf ewig wieder jung” ended in an aburpt breaking off of the final word– one of the most moving moments of the evening.

The songs of Joseph Marx provided a fitting conclusion to the programme. Works such as Waldseligkeit, Hat dich die Liebe berührt and Und gestern hat er mir Rosen gebracht belong among the finest creations of Austrian late Romanticism. Lindsey made their emotional and poetic richness tangible through great interpretative artistry.

Three encores concluded the evening. After Schumann’s Du bist wie eine Blume, directed with a playful wink towards Helmut Deutsch, Lindsey once again demonstrated the versatility of her voice in Gershwin’s Summertime, with subtle references to jazz phrasing. Effortlessly, she spanned the range from warm lower notes to freely blossoming high notes.

Richard Strauss’s Morgen gave the conclusion a particularly hopeful note. For a brief moment afterwards, Helmut Deutsch appeared deeply moved. On the occasion of his 80th birthday, the world-renowned collaborative pianist once again proved himself in this concert to be a brilliant partner on equal terms. Standing ovations.

Autorin: Mag. Brigitte Ulbrich | Musikdialoge Magazin & Podcast

Upcoming Performances
 

Kate Lindsey will appear on 10 June in Bologna with the Balthasar Neumann Ensemble & Cuban Youth Orchestra under the direction of Thomas Hengelbrock at the Auditorium Teatro Manzoni, performing arias by Joseph Haydn and Wolfgang Amadeus Mozart. During the summer, she can be heard at the Salzburg Festival in Richard Strauss’s Ariadne auf Naxos, followed by appearances in the autumn at the Vienna State Opera in Mozart’s La clemenza di Tito

Website

Helmut Deutsch will perform with Camilla Nylund in Budapest on 12 June, with Hannah Elisabeth Fheodoroff at the Baroque Festival in St. Pölten on 16 June, with Diana Damrau in Mannheim on 19 June, and with Jonas Kaufmann at Vienna’s Theater im Park on 9 July 2026. 

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Wiener Konzerthaus Wien 
© MANFRED SODIA photography

Kate Lindsey
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Helmut Deutsch
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