Mozarts Nächte im Musikverein: Serenade und Oper zum Schmunzeln 


Die Reihe „Mozarts Nächte“ fand am 8. November 2025 im Großen Saal des Wiener Musikvereins zu einem glänzenden Höhepunkt. Der Concentus Musicus Wien, geleitet von Stefan Gottfried, widmete sich einem Programm, das Mozarts Musik in ihrer Vielfalt und Theatralik erlebbar machte: zwischen der Intimität der Serenade und der dramatischen Intensität der Oper.

Von Beginn an war spürbar, dass hier nicht bloß konzertant musiziert, sondern mit theatraler Dramaturgie phrasiert wurde. Der Abend stellte keine Abfolge von Nummern dar, sondern ein klug gebautes, in perfekten Übergängen gezeichnetes musikalisches Gespräch über Mozarts Menschenbilder: Leichtigkeit, Ironie, purer Spaß, auch Verletzlichkeit. Die Solisten, Kate Lindsey (Mezzosopran) und Georg Nigl (Bariton), traten einander mit feiner psychologischer Spannung gegenüber. Ihre Duette aus Le Nozze di Figaro, Don Giovanni und Così fan tutte wirkten wie Miniaturen eines großen Bühnenwerks – Szenen, in denen Nähe und Distanz, Witz und Melancholie, Verführung und Klarheit aufeinanderprallen. Lindsey sang mit kluger Balance zwischen Wärme und Präzision, ihr auch zu großer dramatischer Performance fähiger Mezzo (aktuell auch als Debussys Mélisande mit Rolando Villazon als Pelléas an der Wiener Staatsoper) lieferte hier, sehr achtsam eingesetzt, Mozart'sche Leichtigkeit und den Esprit, der das Publikum köstlich erheiterte, mit Anmut berührte. Nigl gefiel mit starker Expressivität, manchmal sehr polternd und brachial, sowie einem Textbewusstsein, das selbst die kleinste Geste bedeutungsvoll machte. 

 Der Concentus Musicus Wien zeichnete einen filigranen Klangraum, der die Stimmen nicht begleitete, sondern mit ihnen atmete. Der Gestus war kammermusikalisch, doch nie klein. Zwischen den einzelnen Serenaden-Sätzen entstand eine organische Spannung – die Musik wirkte atmend, offen, durchlässig. Die klangliche Handschrift des Ensembles ließ jene Leichtigkeit spüren, die Mozarts Musik von innen heraus trägt: jene heitere Strenge, die im selben Moment Kopf und Herz anspricht. Dies war spürbar vom Konzertmeisterpult (E. Höbarth) aus angeleitet, Stefan Gottfried dirigierte, wie oft, auf Augenhöhe mit dem gesamten Ensemble.  Es war ein Abend, an dem die alte Idee der Serenade – Musik unter freiem Himmel, leicht und doch bedeutend – in den Raum des Musikvereins zurückkehrte.

„Mozarts Nächte“ hat damit seinen Anspruch eingelöst: nicht nur Musik zu feiern, sondern ihre Vielschichtigkeit zu zeigen – zwischen Oper und Kammermusik, leicht, ironisch und lustvoll in der szenischen Darbietung und orchestralen Improvisationen. Besonders gefiel zu Beginn Mozarts Serenade in D-Dur, KV 239 ("Serenata Notturna") für Streichorchester, Pauke und vier Solisten (2 Geigen, Bratsche und Kontrabass.) 

Erich Höbarth als Konzertmeister und Silvia Iberer begeisterten mit hoher Virtuosität an den Geigen. Alexandra Dienz am Kontrabass und Pablo de Pedro, Bratsche, gefielen außerdem in sämtlichen Kadenzen des Konzertes mit überraschenden Improvisationen. Raphael Handschuh an der Mandoline verlieh dem Konzert einen weiteren sehr berührenden Höhepunkt. 

„Mozarts Nächte“ ließ eindrucksvoll hören, wofür der Concentus Musicus seit Jahrzehnten steht: jene spezifische Klangrede, die aus der historischen Aufführungspraxis hervorgeht – differenziert in Artikulation, schlank im Ton, sprechend in der Phrasierung. Diese Musizierweise zielt nicht auf Nachbildung, sondern auf Durchdringung ab: auf das Verstehen des musikalischen Satzes aus seinem inneren Puls heraus. Lindsey, Nigl und das gesamte Ensemble verbanden diese Haltung mit Genuss, Präzision, ausufernder Spielfreude und einer spürbaren Leichtigkeit. So entstand ein Abend, der Mozarts Musik nicht erklärt, sondern erlebbar machte – unmittelbar, klug gestaltet und voller Charme. 

Das sichtlich gelockerte Publikum forderte eine Zugabe: Mozart, Là ci darem la mano. Duettino Zerlina - Don Giovanni aus der Oper „Don Giovanni“, KV 527, dankte mit anhaltendem Applaus. 

Autorin: Brigitte Ulbrich ⎸ Musikdialoge.com