Orchesterlieder im Glanz der Wiener Moderne:
Lindsey und Hillebrand begeistern

Foto: Pressemappe Tonkünstler-Orchester

Ein außergewöhnlicher Konzertabend mit dem Niederösterreichischen Tonkünstlerorchester entführte ins Herz der Wiener Musiktradition – von Wagner über Zemlinsky und Berg bis hin zu Joseph Marx. Zwischen Romantik und Moderne: eine Darbietung voller Klang, Tiefe und faszinierender musikalischer Kontraste.


Dezember 2025 – Wien. Am 14. und 16. Dezember präsentierte das
Niederösterreichische Tonkünstlerorchester unter der Leitung ihres Chefdirigenten
Fabien Gabel im Musikverein Wien, neben zwei weiteren Terminen in Wiener Neustadt
und St. Pölten, ein Konzert mit Orchesterliedern von Richard Wagner, Alexander
Zemlinsky, Alban Berg und Joseph Marx. Fabien Gabel, bekannt für seine imaginative
Programmgestaltung, verbindet gerne zentrale Klassiker, den Mainstream, mit weniger
bekannten Werken des 19. und 20. Jahrhunderts – wie auch an diesem Abend, der sowohl
vertraute Tradition als auch überraschende Entdeckungen bot.

Den Auftakt bildete Richard Wagners Prélude zur Oper Tristan und Isolde in einer
Konzertfassung von Richard Wagner. Das Orchester entfaltete die Partitur in beachtlicher
Konzentration und ließ die Spannung der harmonischen Entwicklung und die Sehnsucht
des Tristan-Akkords klar hörbar werden.

Die herausragende Mezzosopranistin Kate Lindsey schenkte dem Publikum mit den
sechs Liedern Alexander Zemlinskys ein atemberaubendes Hörerlebnis. Die Künstlerin
erwies sich dank ihres dunklen Timbres und damit tief bewegender Stimme als ideale
Besetzung für Zemlinskys geheimnisvolle und emotional dichte Klangwelten. Besonders
in „Als ihr Geliebter schied“ – mit der Zeile „Es schlug das Herz so bang und schwer“ –
und „Und kehrt er einst heim“ offenbarte sie ihre außergewöhnliche Ausdruckskraft: Jede
Phrase war sorgfältig artikuliert, von tief empfundener Emotionalität durchdrungen und
gleichzeitig mit technischer Perfektion gestaltet. 

„It’s always a beautiful exploration (…) to find one’s own meaning in each poem”, so
Lindsey. Ihre Stimme verschmolz sehr harmonisch mit dem Orchester, machte die
lyrische Schönheit der Texte eindrucksvoll hörbar. Diese Gestaltung strahlte Intimität als
auch dramatische Tiefe aus. Die tiefen Emotionen der Texte kamen durch das
kontrollierte, dennoch expressive Timbre der Mezzosopranistin eindrucksvoll zur
Geltung.

Anschließend sang Nikola Hillebrand die sieben frühen Lieder von Alban Berg. Sie schätzt
besonders die Romantik, den Reichtum der Klangfarben, in die man sich so richtig
‚hineinbegeben‘ könne. Hillebrands oftmals heller, klarer Sopran setzte sich
beeindruckend in den orchestral dichten gearbeiteten Passagen durch. In Stücken wie
„Die Nachtigall“ – mit „O singe, Nachtigall, so süß und rein“ – und „Im Zimmer“ zeigte sie,
wie Bergs Kompositionen die romantische Tonsprache mit frühen modernen Elementen
verbinden. Hillebrands Stimme wirkte strahlend und aufrüttelnd, selbst in den leisesten,
getragenen Passagen, wie auch Lindsey davor, noch sehr präsent und verlieh dem Zyklus
eine deutliche Strahlkraft.

Den Abschluss bildete Joseph Marx’ Symphonische Nachtmusik. Das Werk entfaltete
kurz vor den Weihnachtsfeiertagen eine festliche Atmosphäre, getragen von orchestraler
Finesse, subtilen Steigerungen und fast erzählerischen Momenten. Die Musik vermittelte
Wärme, Lebendigkeit und Besinnlichkeit zugleich, ohne jegliche Hektik, und bot einen
glanzvollen, stimmungsvollen Ausklang des Abends.

Das Konzert bewies, wie differenziert das Tonkünstlerorchester die Stimmungen der
verschiedenen Komponisten umsetzen kann. Von stillen, getragenen Momenten über
geheimnisvoll-mystische Lieder bis hin zu festlich-weihnachtlicher Klangpracht: Jedes
Werk erhielt seinen eigenen Raum und jede Stimme wurde optimal zur Geltung gebracht.
Das Publikum erlebte einen Abend voller konzentrierter Musikalität, emotionaler Tiefe
und orchestraler Raffinesse – ein Konzert, das sowohl die Tradition der Wiener
Musikgeschichte als auch ihre innovative Kraft eindrucksvoll präsentierte.

Autorin: Brigitte Ulbrich ⎸ Musikdialoge
Fotos: ©Nikola Hillebrand / Kate Lindsey: Offizielles Pressematerial