Kirsty Clarke, Christoph Schaller Modern Times_404-Not Found 
© Andreas Etter

Maschinenrhythmen und Kontrollverlust: "Modern Times" in der Oper Graz. 


20. Mai 2026 - Großer Jubel für das Ballett Graz an der Grazer Oper: Mit „Modern Times“ gelang ein ebenso kraftvoller wie packender Abend über den Menschen im Spannungsfeld von Technik und Moderne. Die Choreografien von Katarzyna Kozielska, Anne Jung und Giovanni Insaudo verbanden Dynamik, Präzision und starke Bilder zu einem intensiven Bühnenerlebnis, getragen von einem hervorragend tanzenden Ensemble, das das Publikum sichtlich begeisterte.

Charlie Chaplin zeigte in „Modern Times“ Menschen am Fließband, gefangen im Takt der Maschinen. Der gleichnamige Ballettabend in der Oper Graz holt dieses Thema in die Gegenwart und erzählt von einer Welt, die immer schneller wird: ständig erreichbar, ständig unter Druck, ständig in Bewegung. 

Drei Choreografien von Katarzyna Kozielska, Anne Jung und Giovanni Insaudo kreisen um genau dieses Lebensgefühl. Menschen versuchen mitzuhalten, reagieren pausenlos auf neue Reize und verlieren dabei immer wieder den Halt. Der Abend erzählt keine klassische Handlung, sondern entwickelt starke Bilder für eine Zeit, in der kaum noch Raum zum Innehalten bleibt. 

Drei Choreografen, drei unterschiedliche Handschriften – und doch verband „Modern Times“ ein zentrales Thema: der Mensch in einer Welt zwischen Technik, Tempo und wachsender Entfremdung. Inspiriert von Charlie Chaplins legendärem Film entstanden Bilder voller Dynamik und Spannung, die den Druck, die Rastlosigkeit und zugleich die Einsamkeit unserer Gegenwart eindringlich auf die Bühne brachten. 

Zur starken Wirkung des Abends trugen nicht nur die vielschichtigen Choreografien bei, sondern auch die stilvoll abgestimmten Kostüme und die atmosphärische Lichtgestaltung. Vor allem aber beeindruckte das Ballett Graz mit einer außergewöhnlich starken Compagnie: Die Tänzerinnen und Tänzer überzeugten mit enormer Präzision, Ausdruckskraft und Intensität – sowohl in den Soli (Yuka Eda, Nimrod Poles, Thibaut Lucas Nury und viele andere) als auch in den großen Ensemblebildern.

Mit „404 – Not Found“ eröffnete Katarzyna Kozielska den Abend und stellte den Menschen in einer von Geschwindigkeit und digitaler Überforderung geprägten Welt in den Mittelpunkt. Zum pulsierenden Sounddesign von Benjamin Magnin entstanden eindringliche Szenen zwischen Hektik, Isolation und kurzen Momenten von Nähe und Innehalten. Der Titel verwies dabei treffend auf das Gefühl des Verlorengehens in einer zunehmend entmenschlichten Realität. 

Noch kompromissloser wirkte anschließend Anne Jungs „Drift“ mit der Musik von Davidson Jaconello. In atemloser Dynamik zeichnete die Choreografie eine Welt permanenter Anpassung, ständigen Leistungsdrucks und unaufhörlicher Beschleunigung. Die Bewegungen wirkten oft wie ein Getriebensein ohne Pause – und gerade deshalb berührten jene Momente besonders, in denen einzelne Figuren aus diesem Mechanismus auszubrechen versuchten. Vor allem die Duette von Yuka Eda und Thibault Lucas Nury sowie Kirsty Clarke und Leonardo Germani setzten dabei intensive emotionale Akzente


Giovanni Insaudo näherte sich dem Thema Mensch und Technik schließlich auf besonders erzählerische Weise. Seine Choreografie zeigte eine moderne Welt voller Abläufe, Systeme und permanenter Reizüberflutung, in der Individualität immer mehr verloren zu gehen droht. Zur vielschichtigen Klanglandschaft von Hodei Iriarte Kaperotxipi entstanden eindrucksvolle Szenen zwischen Anpassung, Orientierungslosigkeit und dem Versuch, inmitten der Masse sichtbar zu bleiben. Vor allem Yuka Eda faszinierte dabei erneut mit außergewöhnlicher Beweglichkeit und intensiver Bühnenpräsenz. 

Obwohl alle drei Arbeiten unterschiedliche künstlerische Handschriften trugen, verband sie eine gemeinsame Grundstimmung. Der Abend entwickelte eine starke Sogwirkung zwischen Faszination und Bedrückung und zeigte einmal mehr die enorme Qualität des Ballett Graz. Wir schließen uns dem Premierenpublikum begeistert an: Anhaltender Applaus!

Autorin: Brigitte Ulbrich ⎸ Musikdialoge

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Weitere Vorstellungen:
Opernhaus Graz, Hauptbühne:
Fr. 22.05.2026, 17:30 bis ca. 19:15 ⎸ Mi. 27.05.2026, 19:30 bis ca. 21:15 ⎸
Fr. 12.06.2026, 19:30 bis ca. 21:15
Zum letzten Mal:
Do. 18.06.2026, 19:30 bis ca. 21:15

Tickets: Oper Graz

Besetzung:
Katarzyna KozielskaAnne Jung / Giovanni Insaudo / Sandra Salietti / Silke FischerElisabeth Perteneder / Martin Schwarz / Benjamin MagninPaul Davidson Jaconello / Hodei Iriarte Kaperotxipi / Mattia Scassellati / Dirk Elwert

Ensemble:
Barbora Kubátová / Christoph Schaller / Fabio Agnello / Giulio Panzi / Isabel Edwards / Kirsty Clarke / Philipp Imbach / Rosa Maria Pace / Savanna Haberland /  Connor McMahon / Gionata Sargentini / Sophia Esmeralda Vollmer / Diego del Rey /Leonardo Germani / Mireia González-Fernández / Thibaut Lucas Nury / Yuka Eda / Nimrod Poles / Rosa Maria Pace / Thibaut Lucas Nury




Thibaut Lucas Nury, Yuka Eda_Drift
© Andreas Etter

Rosa Maria Pace, Thibaut Lucas Nury, Leonardo Germani_The Gravity of Iron © Andreas Etter

Nimrod Poles, Yuka Eda_The Gravity of Iron © Andreas Etter

Foto: Modern Times, Ballett Graz
@Oper Graz, Ingo Pertramer



Modern Times: „Modern Times“ – ein neuer Ballet-Abend in der Oper Graz


Die Oper Graz widmet sich im letzten Ballettabend dieser Saison mit Modern Times einem Thema, das aktueller kaum sein könnte: dem Rhythmus unserer Zeit. Drei unterschiedliche choreographische Handschriften beleuchten dabei eine Gesellschaft, die ständig in Bewegung ist – geprägt von Tempo, Leistungsdruck und permanenter Erreichbarkeit. Inspiriert vom legendären Charlie-Chaplin-Film Modern Times entsteht ein vielschichtiger Abend über das Funktionieren-Müssen in einer beschleunigten Welt.

Im Zentrum stehen die Choreographien von Katarzyna Kozielska, Drift von Anne Jung sowie The Gravity Of Iron von Giovanni Insaudo und Sandra Salietti. Tanz wird hier zum Spiegel moderner Lebensrealitäten: mechanische Abläufe, digitale Reizüberflutung und die Suche nach Momenten der Ruhe treffen aufeinander. 

Dabei geht es nicht nur um Geschwindigkeit, sondern auch um die Kraft der Entschleunigung – um jene selten gewordenen Augenblicke, in denen Stillstand wieder möglich scheint.

Der kommende Tanzabend - Premiere ist am 20. Mai 2026 - verbindet starke Bilder mit zeitgenössischer Bewegungssprache und eröffnet unterschiedliche Perspektiven auf das Leben im Dauerlauf. Zwischen Dynamik, körperlicher Präzision und emotionalen Momenten entsteht ein Abend, der den Puls der Gegenwart spürbar macht – und zugleich die Frage stellt, wie viel Menschlichkeit in unseren „modernen Zeiten“ noch Platz findet.


Termine

Premiere: 
Mittwoch, 20. Mai 2026, 19:30 Uhr

Freitag, 22. Mai 2026, 17:30 Uhr

Mittwoch, 27. Mai 2026, 19:30 Uhr

Freitag, 12. Juni 2026, 19:30 Uhr

Donnerstag, 18. Juni 2026, 19:30 Uhr (zum letzten Mal)

Tickets

Oper Graz