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125 Jahre Wiener Symphoniker
Das Jubiläumskonzert im Wiener Musikverein
Jubiläumskonzert: 125 Jahre Wiener Symphoniker – Wiener Eleganz, die begeistert
Gestern Abend im Goldenen Saal des Wiener Musikvereins spürte man die Geschichte, die in diesen ehrwürdigen Wänden lebt. Die Wiener Symphoniker feierten ihr 125-jähriges Bestehen mit Charme, Glanz und Virtuosität.
30.10.2025 von Brigitte Ulbrich ⎸ Petr Popelka, seit zwei Jahren Chefdirigent, leitete das Orchester mit einer Mischung aus Präzision und nuancierter Ausdruckskraft. Sofort wurde deutlich: Dieses Ensemble ehrt seine lange Tradition, ohne sie starr zu bewahren.
Das Konzert begann mit Richard Wagners „Faust-Ouvertüre“, die bereits beim allerersten Konzert unter Ferdinand Löwe erklang. Schon hier zeigte sich die typische Wiener Handschrift: singende Streicherlinien, klar artikulierte Bläser, dynamische Nuancen, die niemals starr wirkten. Jeder Ton war sorgfältig und zugleich lebendig und organisch gestaltet.
Maurice Ravels Klavierkonzert für die linke Hand, an zweiter Stelle des Abends, interpretierte Anna Vinnitskaya. Es offenbarte die filigranen Klangschattierungen des Orchesters: Holzbläser und Streicher verschmolzen zu warmen Klangfarben. Die international gefeierte Pianistin führte jede Phrase mit Eleganz, Klarheit und höchster Virtuosität aus. Ihre Interpretation atmete zwischen den Händen, ließ Raum für beinahe freie, expressive Passagen, denen die Instrumentalisten umsichtig und mit Verve folgten.
Alban Bergs „Sieben frühe Lieder“ sang die herausragende Sopranistin Hanna-Elisabeth Müller mit Präzision und emotionaler Tiefe, die komplexen Harmonien erklangen strahlend und klar, ohne dass es je verkünstelt wirkte.
Beide Solistinnen fügten sich in die Höhepunkte des Konzerts harmonisch ein und setzten feine, virtuose Nuancen. Das Zusammenspiel wirkte präzise und ausdrucksstark, zugleich elegant eingebettet – ein Klangbild, das Tradition und Gegenwart gleichermaßen spürbar machte.
Schon von der Gründung 1900 an standen die Wiener Symphoniker für Uraufführungen und die Förderung neuer Musik. Von Mozart, Wagner und Ravel bis Berg und Schönberg prägten sie mit ihren Premieren die Musikgeschichte. Auch an diesem Jubiläumsabend verband sich Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in jedem Ton.
Man hätte Chefdirigenten Petr Popelka gern gefragt, ob ihm die Feier der Geschichte oder das Erzählen ihrer Brüche wichtiger sei. Die Programmwahl beantwortete diese Frage: Ravels feine Transparenz, Bergs frühe Lieder und Wagners Faust-Ouvertüre wirkten wie Kapitel einer Selbstreflexion des Orchesters. Popelka hätte auf die Frage nach dem „Warum“ wohl gelächelt und gesagt: „Weil es unsere lange, spannende Geschichte ist.“ Im Orchester spürt man, dass dieses Jubiläum kein Rückblick, sondern ein gemeinsamer, immer neuer Atemzug, ist.
Popelka lässt Geschichte nicht museal klingen, sondern aus dem Moment heraus. Wagner, Ravel, Berg – sie markieren Stationen, an denen die Wiener Symphoniker selbst mitgeschrieben haben. Und auch Mozart: kein Pomp, kein übertriebener Glanz, sondern – wie Popelka sagt – „groß im Geist, aber nicht opulent äußerlich“. Ein feierlicher Schlusspunkt, der Augenmaß, Respekt und ehrliche Hingabe vereinte.
Der krönende Abschluss mit Mozarts Jupiter-Symphonie offenbart den unverwechselbaren Wiener Klang besonders deutlich. Das verjüngte Orchester geht dabei ungeahnte Risiken ein: Im atemberaubenden Tempo des vierten Satzes gelingt höchste Transparenz, Homogenität und nuancierte Differenzierung, ohne nach Effekten zu gieren. Das Publikum würdigt die Leistung mit anhaltendem Applaus.
Dieser Abend war mehr als ein Jubiläum; er war ein lebendiges Erleben der Musik, das Tradition ehrt und zugleich in die Gegenwart trägt – ein Versprechen an die Zukunft, das das Orchester eindrucksvoll einlöste. Herzliche Gratulation!
Weitere Termine:
125 Jahre Wiener Symphoniker auch am 30.10.2025, 19:30 Uhr im Musikverein Wien.
Ausstrahlung im ORF:
ORF III: Sonntag, 2. November 2025, 20:15
Ö1: Sonntag, 9. November 2025, 11:03
Buch zum Jubiläum
Biba, O. (Hrsg.). (2025). Wie funktioniert ein klassisches Orchester? Ein Buch der Wiener Symphoniker. Bärenreiter. -> hier bestellen
©Autorin: Brigitte Ulbrich ⎸ Musikdialoge
Fotocredit: Offizielles Pressematerial, Wiener Symphoniker
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